Umbau der “Crazy” zur “Crazy Again”

Wie im Beitrag der Crazy zu zu lesen ist, faszinieren mich diese Lautsprecher ungemein: schmale, zierliche Standlautsprecher, die mit einer sehr günstigen Bestückung einfach eine phänomenale Performance abliefern.

Ein weiterer Freund sowie meine Schwester möchten sich diese Lautsprecher ebenfalls ins Wohnzimmer holen – seit dem Bau des ersten Paares Crazy herrscht “Crazy Fieber”. Da gibt es nur ein Problem: die LPT130/19/100SG die in der Crazy zum Einsatz kamen, stammten aus einem großen Restposten, den man bei Pollin für 6,95€ (zum Schluss sogar nur noch 4,95€) erstehen konnte. Diese werden einerseits nicht mehr produziert und sind andererseits mittlerweile komplett ausverkauft.

Nicht nur in meinem Bekanntenkreis ist die Crazy beliebt. Besucht man einschlägige Foren wird schnell klar: die Nachfrage ist enorm hoch. Und das hat Alexander Gresler (aka. Donhighend) dazu veranlasst, der Crazy eine Nachfolgerin zu spendieren.

Meiner Schwester gefällt die durch die LPT130/19/100SG gegebene rustikale Optik sowie der äußerst günstige Preis, woraufhin sie die größte Macht im Universum ausrief (“Dibs”) und sich meine Crazy damit reservierte. Allerdings möchte sie ihr Gehäuse selbst bauen. Was also tun?

Da ich ohnehin sehr neugierig war, wie die Crazy Again klingen würde und ich nicht noch ein paar Monate wollte, bis ich sie für meinen Freund gebaut habe, habe ich kurzerhand beschlossen, meine Crazy zur Crazy Again umzubauen.

Hier zur Erinnerung nochmals die Crazy, wie sie bis zuletzt in meinem Wohnzimmer standen:

Für den Umbau benötigt man zunächst 1 Paar Crazy. Dazu gesellen sich 2 komplett neue Frequenzweichen, 4 neue TMT sowie neue Bassreflexrohre. Die Liste der benötigten Teile sowie der Bauplan sind auf der Seite von Alexander Gresler zu finden.

Als TMT kommen diesmal je 2 SDS-P830656 aus dem Hause Tymphany zum Einsatz. Mit einem Preis von 22,50€ pro Stück immer noch sehr günstig. Die Weichenteile, TMT und Bassreflexrohre wurden bei Quint bestellt. Die Jungs sind verdammt schnell, haben fast immer alles da und falls nicht, wird nachbestellt. Bisher habe ich nie länger als 3 Tage auf meine Bestellungen warten müssen.

Wie üblich wurden die Weichen zuerst aufgebaut:

Die Weichen wurden diesmal auf 2 Arten aufgebaut: einmal auf einer Lochrasterplatte und einmal auf einem Brettchen. Der Vorteil von Lochrasterplatten liegt in der Optik. Es sieht sehr viel aufgeräumter aus (bis man sich die Unterseite ansieht ;)). Der Aufbau auf einem Brettchen geht allerdings sehr viel schneller von der Hand. Auch können defekte Teile viel einfacher gewechselt werden. 

Zum Vergleich: für eine Weiche auf einer Lochrasterplatte benötige ich etwa 1,5 Stunden, für den Aufbau auf einem Brettchen etwa 30 Minuten.

Im nächsten Schritt ging es den Gehäusen an den Kragen. Alle Chassis und BR-Rohre mussten raus. Durch die neuen Chassis war es nicht nur nötig, die Frequenzweichen anzupassen, sondern da alles im Ur-Gehäuse spielen sollte, mussten auch neue BR-Rohre her.

Die alten BR-Rohre hatten einen Durchmesser von 60mm sowie eine Länge von ebenfalls 60mm. Die neuen Rohre haben einen Durchmesser von 70mm und eine Länge von 110mm.

Bei den Bassreflexrohren handelt es sich um die BRR70, die eine Länge von 218mm haben und entsprechend gekürzt werden müssen. Das geht einfach und schnell mit einer Japansäge. 

Durch den größeren Durchmesser der Bassreflexrohre musste auch der Ausschnitt auf der Gehäuserückseite angepasst werden. Aus einem 62mm Ausschnitt musste ein 95mm Ausschnitt werden.

Um das zu bewerkstelligen habe ich einfach beide Lochsägen in den Halter gespannt und so wurden die Ausschnitte in nicht mal 2 Minuten schnell und sauber geweitet.

Das war auch schon alles an notwendigen Modifikationen am Ur-Gehäuse.

Bei den alten Chassis war bereits eine Dichtung aus Schaumstoff angebracht. Das ist bei den neuen Chassis nicht der Fall und damit später alles Luftdicht verbaut werden konnte, wurde Tesa Moll angebracht:

Mehr braucht es nicht.

Wer den Beitrag zur Crazy gelesen hat stellt fest, dass diese bis zuletzt ohne Finish im Wohnzimmer standen. Diesmal sollte das anders werden, jedoch hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie sie aussehen sollten.

Am Ende sollte schließlich alles zusammenpassen. Weiße Möbel, Holzparkett – welche Optionen gibt es da?

Zu aller erst kam mir der Gedanke, die Lautsprecher weiß zu lackieren. Das ist aber in Anbetracht des fehlenden Werkzeuges, des fehlenden Raums und auch der nicht vorhandenen Ausbildung zum Lackierer kaum zufriedenstellend zu bewerkstelligen. Furnier in braunem Holz passt zu weiß, ist aber so gar nicht mein Fall.

Durch Zufall bin ich dann auf das SaRaiFo Amarant Furnier gestoßen und aus einer Laune heraus habe ich meiner Frau dann mit einem Link zu besagtem Furnier eigentlich zum Scherz geschrieben, dass ich die Lautsprecher lila furnieren würde. Als ihre Worte dann nur “mach doch” waren, fühlte ich mich irgendwie ein wenig herausgefordert und bestellte eben dieses Furnier. Die beste Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Dank einer kurzen Anleitung von Alex konnte das Furnier auch schnell und unkompliziert aufgebracht werden.

Benötigt wird dazu:

  • Teppichmesser
  • 1 Eimer Leim (Ponal Classic)
  • Schaumstoffrollen (die billigsten, die im Baumarkt zu bekommen sind)
  • Bügeleisen
  • Schleifpapier P100
  • Schleifpapier P240
  • Schleifpapier P400
  • Hartwachsöl

Zuerst wurden die Gehäuse mit 240er Papier glatt- und herausgequollener Leim abgeschliffen, danach das Furnier mit ca. 1cm Überstand zu allen Seiten mit dem Teppichmesser zurechtgeschnitten.

Der Leim wurde sowohl auf dem Gehäuse als auch auf dem Furnier gleichmäßig mit einer Schaumstoffrolle aufgetragen. Nach einer Wartezeit von ca. 20 bis 30 Minuten wird der Leim transparent. Das ist das Zeichen dafür, dass mit dem Bügeln begonnen werden kann.

Das Bügeleisen wird auf “Baumwolle” gestellt. Beim Bügeln ist darauf zu achten, immer in Richtung der Fasern zu bügeln. Den Kanten gilt besondere Aufmerksamkeit.

Anschließend kann das Furnier zu den Kanten hin mit 100er Schleifpapier vorsichtig im Winkel angeschliffen werden. Dabei unbedingt darauf achten, nicht auf das blanke Holz herunter zu schleifen!

Das überstehende Furnier kann nach wenigen Zügen mit dem Schleifpapier umgefaltet und wie ein Blatt Papier abgerissen werden. Die noch überstehenden Reste werden flach mit 240er abgeschliffen.

Sobald alle Seiten furniert waren, habe ich das Furnier mit dem Exzenterschleifer ebenfalls mit 240er abgeschliffen. Dabei bitte unbedingt vorsichtig vorgehen! Das SaRaiFo in diesem Fall ist nur 0,5mm dünn, sodass man da recht schnell mal durchgeschliffen hat.

Um das Holz zu schützen und den Lautsprechern einen leichten Glanz zu verleihen wurde das Furnier abschließend mit Hartwachsöl behandelt. Je nach dem, wieviele Schichten man auftragen möchte, kann sich das ganz schön hinziehen, da je Schicht eine Trocknungszeit von 12 Stunden eingeplant werden muss. Im Fall der Crazy Again wurden es insgesamt 3 Schichten Hartwachsöl mit je einem Zwischenschliff mit 400er Papier. Die letzte Schicht wurde weder geschliffen noch poliert.

Zum Abschluss wurden dann alle Chassis und BR-Rohre eingesetzt, sowie die Weichen angeschlossen.

Das Endergebnis sieht so aus:

Mit dem Endergebnis bin ich mehr als nur zufrieden. Die Oberfläche sieht sehr edel aus und die Farbe passt wunderbar zu den weißen Möbeln.

Obwohl es das erste Mal war, dass ich Furnier verarbeitet habe, ist dies sehr gut gelungen. Eine Sache würde ich jedoch beim nächsten Mal ändern: die Ausschnitte der Chassis nach dem Furnieren fertigen. Das Furnier hier anschließend sauber aus den bereits vorhandenen Ausschnitten herauszuschneiden ist eine fummelige Arbeit, die ich so nicht nochmal machen möchte.

Eine Klangbeschreibung sowie ein Vergleich mit der Ur-Crazy ist nur schwer möglich. Dazu müsste man beide Lautsprecher nebeneinander stellen und vergleichen. Durch die neue Bestückung und Abstimmung handelt es sich jedoch um einen völlig anderen Lautsprecher, der nur das Gehäuse und den Namen mit der Ur-Version teilt.

Die Crazy Again ist ein wenig tiefer abgestimmt (wie viel tiefer, kann ich nicht sagen) und mir persönlich kommen sie vom Klang her ein wenig “größer” und “voluminöser” vor. Hier spielt aber sicher ein wenig der Stolz des Handwerkers mit in die Bewertung hinein, wodurch diese Aussage mit Vorsicht zu genießen ist. Die Crazy Again ist wie auch ihre Vorgängerin ein schöner, schlanker Standlautsprecher mit extrem hohem WAF und einem umwerfenden Klang. Bis auf Weiteres haben sie ihren festen Platz im Wohnzimmer eingenommen.

Abermals geht der Dank an Alexander Gresler für die Entwicklung und die kostenlose Veröffentlichung des Bauplans dieses hervorragenden Lautsprechers.

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