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Vor einiger Zeit habe ich ein Pärchen Monacor SPH-200CTC von meinem Freund und D.A.U.-Kollegen Christian erstanden. Optisch eine Augenweide, jedoch wusste ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht, was ich damit anfangen werde. Aber haben ist schließlich besser als brauchen. Bei einer Aufräumaktion kurz vor dem Jahreswechsel fielen sie mir dann wieder in die Finger und so wurden sie kurzerhand mit DATS gemessen:

Mit diesem Parametersatz wäre der Einsatz in einem noch relativ kompakten BR-Gehäuse mit ca. 25 Litern möglich. Da bei mir auf dem Schreibtisch aktuell die Little Yellow Cab von Alex stehen, die ebenfalls mit einem 8-Zöller aus dem Hause Monacor ausgestattet sind, kam mir der Gedanke an einen 2-Wege Lautsprecher im Kompaktformat. Mit diesem Hintergedanken wurde AJHorn mit den zuvor ermittelten Parametern gefüttert und sehr schnell stellte sich heraus, dass dieser schöne Tieftöner in einem geschlossenen Gehäuse mit Hochpass mit gerade einmal 9 Litern zurechtkommt und dabei eine untere Grenzfrequenz von 40Hz erreicht.

Eine Messung im Gehäuse sollte zeigen, ob der als Tieftöner bzw. Subwoofer vermarktete Treiber überhaupt für eine 2-Wege Anwendung geeignet ist.

Mit ein wenig Zuwendung lässt sich der Tieftöner bis etwa 2kHz betreiben. Der abfallenden Flanke und dem Buckel oberhalb des Baffle Steps müssen bei der Weichenentwicklung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Als nächstes ging es auf die Suche nach einem geeigneten Spielpartner. Damit der SPH-200CTC in einer 2-Wege-Konfiguration läuft, benötigt man einen Hochtöner, der ab etwa 2kHz eingesetzt werden kann. Damit am Ende auch das Abstrahlverhalten zum 8-Zöller passt, musste es ein Hochtöner mit Schallführung sein. Hier wäre es naheliegend gewesen, auf den Monacor DT-254 zurückzugreifen, der im Waveguide desselben Herstellers eine unheimlich gute Figur macht. Am Ende wäre dies dann aber auch nur eine Kopie der Little Yellow Cab mit einem anderen Tiefmitteltöner. Deswegen schied diese Option aus. Ein weiterer Kandidat war der Dayton ND25FW-4. Dieser wird jedoch bereits in der DAUmino-Reihe sowie meiner Juna eingesetzt. Noch ein Lautsprecher mit diesem Hochtöner? Nein, hier sollte was anderes her.

Nach ein wenig Brainstorming in unserem Forum, schlug Alex den Morel CAT 378 vor, den er für ein anderes Projekt vorgesehen hatte. In diesem sollte der Hochtöner auf einer Schallwand mit schmalen, linearen Fasen laufen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Da der Kompaktlautsprecher ohnehin schon mit Fasen geplant war, war es einen Versuch wert. Schnell war ein Paket gepackt, welches ich einige Tage später in Empfang nehmen durfte.

Beim Auspacken fiel sofort das für einen Hochtöner recht hohe Gewicht auf. Optisch und haptisch sehr hochwertige Treiber.

Zunächst wurde ein Testgehäuse gebaut, bei dem die Front aus 2 Platten 19mm MDF bestand. Die Idee war, die Fasen so flach zu halten, dass sie auf der aufgesetzten Front Platz haben. In diesem Gehäuse wurde dann eine Messung angefertigt:

Ernüchternd, denn das Verhalten unter Winkeln passte so nicht zum SPH-200CTC. Die Fasen hatten einen Winkel von etwa 25 Grad und da es sich ohnehin nur um ein Testgehäuse handelte, wurden die Fasen kurzerhand mit der Japansäge bearbeitet und auf ca. 35 Grad gebracht. Genau richtig, wie die nächste Messung zeigt:

Auf den ersten Blick sieht das nicht nach sehr viel Unterschied aus. Dennoch reicht es, um den Hochtöner sauber mit dem Tiefmitteltöner zu verheiraten. Die Messungen beider Treiber wurden in VituixCAD importiert und eine Weiche simuliert. Bei der Simulation wurde – wie zuvor erwähnt – ein besonderes Augenmerk auf die Flanke des Tiefmitteltöners gelegt, da sonst Resonanzen das Klangbild trüben und in den Hochton schlagen würden. Nach ein wenig Simulationsarbeit war eine Abstimmung gefunden, die keinen Grund zur Klage gibt:

Diese Weiche wurde gesteckt, der Lautsprecher gemessen und einem Hörtest unterzogen. Die Messung war sehr simulationsnah, jedoch fehlte es im oberen Hochton ein wenig. Schaut man sich die Simulation nochmal genauer an fällt auf, dass der Hochton ab ca 6,5kHz unter Winkeln sehr steil abfällt und somit sehr wenig Energie in den Raum abstrahlt. Dies hatte zur Folge, dass der Klangeindruck insgesamt etwas dumpf war. Abhilfe schafft hier ein kleiner Kondensator, der als Bypass über den Serienwiderstand des Spannungsteilers gelegt wird. Simuliert wurde hier mit 3,3µF:

Im ersten Moment sieht das auf Achse nach ein bisschen zuviel aus. Betrachtet man jedoch das Verhalten unter Winkeln, stellt sich so ein ausgewogener Klang ein. Diese Änderung wurde durch eine Messung verifiziert und der Lautsprecher durfte nochmals einige Stücke Musik wiedergeben.

Daran gibt es nichts auszusetzen. Weder an der Messung, noch am Klang. Das Impedanzminimum liegt bei 3,9 Ohm bei ca. 180Hz. Das sollte keinen ordentlichen Verstärker vor eine Herausforderung stellen.

Der Lautsprecher klingt ausgewogen und sauber. Unspektakulär, im besten Sinne. Der Beschaltungsaufwand sieht für einen 2-Weger im ersten Moment recht massiv aus. Im Tiefmittelton wäre es sicher auch mit nur einem Saugkreis gegangen, jedoch halten sich die Kosten für den zweiten im Rahmen und ist für eine sauberere Abstimmung durchaus angemessen. Der Hochton ließe sich auch mit dem Shelving-Filter anders einstellen, sodass ein Bypass-Kondensator nicht unbedingt nötig wäre. Der Einsatz eines solchen gibt aber wesentlich mehr Freiheit bei der individuellen Einstellung des oberen Hochtons. Wer dem Hochton ein wenig mehr Glanz verpassen möchte, kann den Kondensatorwert ein wenig erhöhen, wem das zu viel des Guten ist, verringert den Wert oder lässt den Kondensator weg. Für mich haben sich 3,3µF als genau richtig erwiesen. 

Die beiden Schwingspulen des Tiefmitteltöners werden parallel zu 4 Ohm zusammengeschaltet. Alle Widerstände sind Keramiktypen mit 10W Belastbarkeit. Bei den Kondensatoren handelt es sich um Elko’s, lediglich die beiden Kondensatoren in Serie zum Hochtöner sind als Folien ausgeführt. Der 710µF Kondensator für den Hochpass wurde aus einem 560µF + einem 150µF Elko parallel verdrahtet.

Alle Weichen- und Baupläne sind ausschließlich für die private Nutzung freigegeben. Jede Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung bedarf einer vorherigen Absprache und wird bei Missachtung strafrechtlich verfolgt.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Tobi

    Hallo Rouven,

    ich habe vor kurzem die LYC gebaut und habe Alex gefragt, ob es eine ähnlich Box auch in etwas kleiner gibt. So bin ich hier gelandet. Kannst du ein wenig dazu sagen, wie sich die CC zur der LYC verhält? Kann man hier klanglich ähnliches erwarten? Untenrum ggf. etwas schwächer? Die Frage zielt auch darauf ab, ob man die CC ggf. als Rears in eine System mit den LYC betreiben könnte.

    Viele Grüße

    Tobi

    1. Rouven

      Hi Tobi,

      die Bassperformance ist sehr vom Raum abhängig. Bei mir konnte ich diesbezüglich kaum einen Unterschied zwischen der LYC und der CC feststellen. Klanglich unterscheiden sie sich natürlich – es ist keine LYC. In meinen Ohren klingen Stimmen bei der CC vielleicht ein bisschen vordergründiger. Hier gibt es diverse Anpassungsmöglichkeiten, um den Lautsprecher an den eigenen Geschmack anzupassen. Gegen einen Einsatz als Rears spricht mMn nichts.

      VG

      Rouven

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